Ist Verständigung möglich? Schriftwechsel zwischen einem Journalisten der PNN und einer Leserin

Wir alle haben schon die Schwierigkeit beklagt, mit Andersmeinenden zum Thema Coronakrise einen zufriedenstellenden Dialog zu führen. Einen Dialog, der vielleicht sogar freundlich miteinander Diskutierende hinterlässt. Allzu oft sind die Fronten sehr verhärtet und Verständigung ist kaum möglich. Nachfolgend veröffentliche ich hier einen Schriftwechsel zwischen einer Leserin der PNN und dem Autor eines der Artikel in der Zeitung. Zunächst die erste Mail der Leserin.

Potsdam, Mittwoch, 12. Januar 2022 15:30

Sehr geehrter Herr K. ,   Wie ich Ihrer Vita entnehmen kann, haben Sie in Leipzig studiert. In einer Stadt, in der 1989 Menschen ebenfalls unangemeldet auf die Straße gegangen sind, weil sie die Lügen, Gängeleien und Bevormundungen durch einen allseits präsenten Staat nicht mehr ertragen haben.  Ich war ebenfalls dabei, obwohl ich bis zu diesem Moment geglaubt habe, der Sozialismus wäre eine gerechtere Form gesellschaftlichen Zusammenlebens als der Kapitalismus mit seiner Schere zwischen arm und reich.  Am Morgen dieses denkwürdigen Tages kamen Mitarbeiter der Staatssicherheit in meine Fachschule und hat davor gewarnt, zur Demo zu gehen, weil der Schießbefehl erteilt werden soll.  In meinem Kopf war Chaos, nein, das geht nicht, das kann nicht sein, dass man tatsächlich glaubt, zum “Wohl des Volkes” wäre es erlaubt auf das Volk zu schießen.  Es war eine unheimliche Athmosphäre über der Stadt, die Arbeit endete um 16 Uhr und es fuhren keine Straßenbahnen mehr. Ich war allein mit meinen Ängsten und meinen Zweifeln, doch ich wusste, ich kann nicht einfach so tun als wäre nichts, würde die Widersprüche nicht sehen, die Lügen, die Gewalt, die man offiziell als demokratisch bezeichnete.  Nein, so geht es nicht.     Für mich ist es unfassbar, dass Menschen wie Sie und ihre Kollegen nicht sehen können oder wollen, dass der Staat weder in der DDR dem Wohl des Volkes diente, noch der jetzige Staat. Ich habe damals in einem Staat gelebt, der glaubte, über die Köpfe der Menschen entscheiden zu können, was für sie das Richtige ist und jetzt ist es wieder so.    Zu behaupten, die Menschen, die an den Lichterspaziergängen teilnehmen würden, würden sich nicht für die Corona Regeln interessieren, ist völlig unsinnig, denn sie sind wegen dieser Regeln auf der Straße! Nur weil Sie behaupten oder glauben, es gäbe für diese widersinnigen und nutzlosen Regeln einen Grund, den die Menschen einfach so zu akzeptieren hätten, ist für mich vergleichbar mit der Begründung eines antifaschistischen Schutzwalls, der die Menschen vor was genau schützt??? So sehr beschützt, dass sie erschossen werden, wenn sie das nicht akzeptieren?    Menschen wie Sie möchten diese Vergleiche nicht sehen, behaupten, wir würden in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit leben. Wir leben im besten Deutschland aller Zeiten. Ja, so ähnlich hat es auch Herr Honecker immer betont, zumindest so lange er es konnte.  Er hat noch erleben müssen, dass “sein” Volk es anders gesehen hat.     Ich weiß nicht wie weit Ihre persönliche rote Linie gehen wird, was Sie bereit sind, noch hinzunehmen, um ein braver und regelkonformer Staatsbürger zu sein.  Wie lange Sie sich persönlich noch einreden können, dass Demonstrationsverbote und Masken an frischer Luft wirklich nichts anderes ist als der Schutz Ihrer Gesundheit.  Ich weiß nicht wieviele “Impfungen” und “Maßnahmen” Sie noch akzeptieren werden, bis Sie merken, was Ihr Bundeskanzler damit meinte, wenn er sagte, es gibt keine roten Linien mehr.  Sie werden es herausfinden, früher oder später.  Ob Sie dann das Gefühl haben werden, das alles war doch nur zu Ihrem Besten und dafür, dass Sie schön gesund bleiben, bleibt abzuwarten.     Bis dahin nehmen Sie zur Kenntnis, dass diese Menschen auf der Straße sich sehr wohl für die Corona Regeln interessieren und sie für reine willkürliche Maßnahmen eines tollwütigen Staates halten, der wer weiß wessen Interessen dient, aber nicht denen des Volkes.    Auch wenn ich nicht zu den Menschen auf der Straße gehöre, gehört diesen mutigen Menschen meine Sympathie. Sie jedoch halte ich für einen linientreuen Schreiberling, so wie sie es zuvor haufenweise bei der “Märkischen Volksstimme” gab.  Übrigens war es in der DDR bekannt, dass in Leipzig nur der Journalismus studieren konnte, der besonders linientreu war. Nun sind wir wohl wieder da, wo wir schon mal waren.  Nur keine kritischen Fragen stellen, da fliegt man raus, wird diffamiert, beleidigt, ausgegrenzt…    Bleibt abzuwarten wie die Geschichte weitergeht.     Mit freundlichen Grüßen H. N.

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